Heidi Stopper BLOG STOPPER coaching & beratung · Samstag, 15 Juli 2017 · www.stopper-coaching.de

Was halten Sie von dieser Geschichte?

"Ich habe mein juristischen Staatsexamen mit Auszeichnung abgeschlossen und bin selbstbewusst und mit Freude ins Referendariat. Mein allererster Chef hat mich nachmittags zum Kennenlernen einbestellt, mir eine schwere Aufgabe übertragen und das Ergebnis am nächsten Morgen auf seinem Schreibtisch haben wollen. Nach einer ordentlichen Fleißarbeit über Nacht, habe ich ihm meine Arbeit in einer Mappe pünktlichst überreicht. Ich war sicher, er wird sehr angetan sein. Er hat aber die Arbeit gar nicht angesehen, sondern sofort gesagt: "Das ist Scheiße". (Ich mag gar nicht auf die Wortwahl eingehen.) Völlig überrascht entgegnete ich, woran er denn erkennen könne, dass es nichts sei, wenn er es gar nicht angesehen habe. Daraufhin er: "Von Ihnen ist nichts zu erwarten". Daraufhin ich:  erst einmal raus in den Flur zum Heulen. Ich habe mich sehr sehr schlecht gefühlt."

Ich und die meisten Menschen, denen ich im Laufe meines Berufslebens begegnet bin, kennen solche Momente. Fast alle meine Kunden berichten in der ein oder anderen Form von Versuchen, sie klein zu machen. Wir können selbst bei bester Auswahl unserer Berufsumfelder nicht verhindern, dass andere uns schaden und uns treffen wollen aber wir können entscheiden wie wir damit umgehen. Die obige Geschichte geht so weiter:

"Damals konnte ich nicht gleich entscheiden, wie ich reagieren soll und habe entschieden eine Nacht darüber zu schlafen. Geschlafen habe ich ehrlich gesagt nicht viel aber mir einen Plan und sogar ein Kommunikationskonzept erstellt. Am nächsten Morgen bin ich zum nächsthöheren Chef und habe ihm ganz ruhig vom Vorfall berichtet. Er war entsetzt aber nicht überrascht, da mein Chef als äußerst brilliant aber noch schwieriger galt. Vorfälle wie der meine, gab es wohl schon einige. Ich wurde ihm zugeteilt, weil ich einen super Abschluss hatte und gehofft wurde, er würde vielleicht mit mir gut arbeiten. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch und sind mit einer Vereinbarung auseinandergegangen. Ich sollte zurück zu meinem Chef, da er als Bester seines Faches galt, aber ich hatte einen Freibrief jederzeit auf meinen Wunsch zu einem anderen sehr viel verträglicheren Chef wechseln zu dürfen. Ich habe mir einige Stunden Zeit genommen, bevor ich meinen Chef aufgesucht habe. Ich wollte ihm unbedingt klar machen, dass ich so nicht mehr behandelt werden wollte aber gerne bereit bin mit ihm zu arbeiten und von ihm zu lernen, da er einen fachlich brillianten Ruf hat. Ich wollte schon von den Besten lernen aber anständig behandelt werden. Sehr nervös ging ich in das Gespräch. Er hat mich reden lassen und ich versuchte, sehr bestimmt zu sein aber auch für ihn eine Türe offen zu lassen. Ich habe nicht angeklagt oder angegriffen, sondern ihm gesagt, dass ich gerne bei ihm bleibe und mit ihm arbeite, wenn er sich mir gegenüber künftig korrekt verhält. Ich sagte ihm auch, dass ich bestimmt viel von ihm lernen könne aber er auch etwas von mir. Um es kurz zu machen: wir haben die Kurve bekommen. Er wurde nicht zum sozial geschmeidigsten Menschen aber er war ab da immer sehr unterstützend und hat mich dann sogar für einen Lehrauftrag empfohlen. Ich bin froh, dass ich dort geblieben bin.

Mein wichtigstes Learning war, wie wichtig es ist, sich zu wehren, für sich einzutreten - aber eben auf eine Art, die dem Gegenüber auch Raum lässt. Ich musste oder durfte das in meiner Karriere noch sehr häufig üben. Ohne diese Fähigkeit, hätte ich nicht meine Karriere so erfolgreich bestreiten können."

 

Die Geschichte zeigt ein wunderbares Beispiel, wie wir aus ein und  derselben Situation entweder größer oder kleiner werden können. Nicht jeder kann das sofort aber mit Unterstützung ist das erlernbar.

In diesem Sinne: viel Erfolg beim größer werden!

 

 

 

Copyright © 2017 STOPPER coaching & beratung: München und Ravensburg

Zum Seitenanfang